Der Mythos Work-Life-Balance

Das Thema "Work-Life-Balance" bzw. der Mythos, der sich darum rankt, wie im weiteren Verlauf dieses Artikels deutlich werden wird, ist ein wichtiger Bestandteil meiner Coachingarbeit. An dieser Stelle hier gebe ich allerdings nur einen kurzen Einblick ins Thema. Wenn wir zusammen daran arbeiten sollten, werden wir wesentlich mehr in die Tiefe gehen! 

 

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass vielen Menschen die Problematik hinter dem klassischen "Work-Life-Balance" Konzept gar nicht bewusst ist. Und gerade deshalb ist es mir besonders wichtig hier ein bisschen für Aufklärung zu sorgen.

 

Also legen wir los:

 

Jeder Mensch hat seine ganz eigenen, speziellen, individuellen Fähigkeiten. Wenn man ganz genau hin schaut, stellt man fest, dass jeder Mensch eine ganz individuelle Leidenschaft hegt. Dieses eine Gebiet, in dem er sich richtig gut auskennt und über das er alles erfahren möchte. Über das er philosophieren und diskutieren kann ohne Ende.  Dieses eine Thema bei dem er gar nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht, weil es so viel Spaß macht und so erfüllend ist, sich damit zu beschäftigen. (Bei mir selbst war das schon immer die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Körper/Geist/Seele bzw. Body/Mind/Spirit). 

 

Menschen, die ihren Aktivitäten mit echter Leidenschaft und Begeisterung nachgehen, sind gut in dem was sie tun. Für die einen mag das die Beschäftigung mit Tieren sein. Für andere ist es, Kinder zu begleiten. Für wieder andere steckt die Leidenschaft darin, technische Probleme zu lösen. Oder ökologische. Manche räumen sogar leidenschaftlich gern auf. Sie sorgen liebend gern für Struktur und Ordnung. Oder sie lieben es Dinge zu reparieren. Einige gehen völlig darin auf im Garten zu arbeiten und ihre eigenen Lebensmittel anzubauen. Andere nehmen den menschlichen Körper genau unter die Lupe und wollen wissen, welche Auswirkungen unsere Gedanken und Emotionen auf unsere Physiologie haben. (Hier ich! Aber viel besser kann das Dr. Joe Dispenza- schau hier gern nach.)

 

Wir alle haben diese „Hobbys und Freizeitaktivitäten“ für die wir uns sehnlichst mehr Zeit wünschen. Und spätestens an diesem Punkt kommt irgendwann der Begriff „Work-Life-Balance“ ins Spiel.

 

Inzwischen bin ich davon überzeugt:

Langfristig kann es nicht gut gehen, "Work" und "Life" so getrennt voneinander zu betrachten und nur zu schauen, dass sie sich irgendwie die Waage halten. Der Glaube daran, Arbeitsleben und Privatleben so konsequent voneinander trennen zu können ist ein Trugschluss, der sich nicht aufrechterhalten lässt.

 

Montag bis Freitag zur Arbeit gehen. Dabei ein, zwei Abende für Freunde und Sport (okay, das mit dem Sport war zumindest damals noch gelogen)  freischaufeln, damit „Life“ gegenüber „Work“ noch ein paar Punkte gut macht. Und während all jener Aufgaben, Anforderungen und Termine ständig die freie Zeit am Wochenende herbei sehnen, in der es endlich kein „Muss“ mehr gibt. 

 

Unser Leben in „Arbeitszeit“ und „Freizeit“ einzuteilen, ist eine vollkommen unnatürliche Trennung, die langfristig nie zur Zufriedenheit führen kann. Genauso wie Körper, Geist und Seele nie getrennt voneinander betrachtet werden können, können auch Beruf, Familie, Beziehungen und Hobbys nie vollkommen getrennt voneinander betrachtet werden. 

 

 

 

Denn wenn ich davon überzeugt bin, dass ich mich der überwiegenden Zeit meines Lebens, einem „Muss“ (Arbeit) hinzugeben habe, und wenn ich mit dieser Arbeit enorm unzufrieden bin, sie mich stresst und ich ggf. sogar unter ihr leide,  kann dieses Defizit an Lebensqualität niemals von einem seltsamen Konzept wie „Freizeit“ ausgeglichen und aufgefüllt werden.

 

Wenn du also wirklich etwas an deiner „Work-Life-Balance“ verändern willst, musst du zunächst dafür sorgen, ihre Unterschiede drastisch zu verringern. Dein Fokus muss darauf liegen, dich gut zu fühlen: sowohl im einen, als auch im anderen Bereich. 

 

Es gibt viele Gründe dafür, wie wir  (sowohl als Einzelne, als auch als Gesellschaft im Ganzen) in dieses System aus Stress, Überforderung und einem schieren Mangel  an Freude geraten sind. Und auch wenn es an dieser Stelle zu lang werden würde, diese alle genauer zu beleuchten, ist es doch grundlegend wichtig, einige Zusammenhänge zu verstehen. Denn nur wenn wir verstehen, was eigentlich mit uns geschieht, werden wir wieder handlungsfähig und können damit beginnen, uns von den alten Mustern zu befreien, die uns in einem traditionellen Work-Life-Konzept festhalten.

 

Wir müssen wirklich den Irrtum ablegen zu glauben, dass sich Arbeit und Leben voneinander trennen ließen. Das bedeutet nicht, dass Menschen mit einem Bürojob in einer großen Firma nicht glücklich sein können. Einige können es. Andere können es nicht.

Aber niemand von uns kann es sich leisten, sich mit einer Tätigkeit zu quälen, die keine Freude (dafür vermeintliche Sicherheit) bringt und gleichzeitig zu glauben, ein paar freie Stunden am Wochenende könnten uns zufrieden stellen.

 

Das ist der Grund warum ich von „Work-Life-Integration“ spreche.

Wie ich schon an anderer Stelle aufgezeigt habe, kommen Begriffe und Worte oft an ihre Grenzen, wenn es darum geht, etwas auszudrücken. Und auch dieser Begriff dient nur dazu, einen Prozess zu beschreiben, mit dem wir letztlich erfüllter leben können. 

"Integration" ist hierzulande ein Begriff, den wir vor allem aus Politik und Bildung kennen. Und in diesen Zusammenhängen ist er oft konfliktbehaftet und nicht gerade positiv besetzt. Im Englischen jedoch wird der Begriff viel häufiger in der Alltagssprache verwendet. Hier bemüht man sich nicht zwangsläufig angestrengt irgendjemanden in irgendetwas zu integrieren, sondern man integriert vor allem Gewohnheiten, Verhaltensweisen oder auch Dinge ins eigene Leben.

 

Denn eigentlich geht es nur darum, grundsätzlich zu verstehen, dass wir unsere Arbeitszeit als Lebenszeit begreifen müssen, die unser wertvollstes Gut überhaupt ist.

Wenn ich von „Work-Life-Integration“ spreche geht es deshalb nicht mehr um eine Balance oder einen Ausgleich konfliktreicher Systeme. Es geht nicht mehr darum, unsere Energie zu verschwenden, indem wir versuchen ständig alles umzustrukturieren und anzupassen. 

Es geht vielmehr um eine grundlegende Neuausrichtung.

Es geht darum, sich frei zu machen von den einschränkenden Mustern, die wir von unserem Umfeld geerbt haben und sich mutig voran auf den eigenen Weg zu machen. Es geht darum, Methoden im Alltag zu integrieren, die uns dabei helfen auf unseren Körper zu achten. Auf unsere Stimmung. Auf unsere Intuition. Es geht darum, die Dinge in unserem Leben von Grund auf neu zu sortieren und neu zu ordnen.

 

Wenn uns das gelingt (nicht im Perfekten, sondern einfach jeden Tag nur ein kleines bisschen mehr) helfen wir damit nicht nur uns selbst. Wir geben vor allem auch unseren Familien und unserem Umfeld ein alternatives Beispiel. Wir zeigen auf, wie man auch leben kann. 

Und so verändern wir Stück für Stück die Welt um uns herum. Veränderung geschieht selten mit großen Paukenschlägen. Meistens ist sie das Ergebnis beständiger, mutiger, kleiner Schritte in eine neue Richtung.

  

 


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