Der Mythos Work-Life-Balance Part II

Solltest du es bisher noch nicht gemacht haben, lies zunächst hier meinen Artikel "Der Mythos Work-Life-Balance Part I" damit du die Hintergründe dazu kennst und verstehst, was ich meine, wenn ich von Work-Life-Integration spreche! Hier, in Teil II,  geht es im Folgenden mehr um die praktische Umsetzung der Erkenntnisse daraus ins eigene Leben.


Viele Menschen leben mit dem Glauben daran, dass der Job nur ein notwendiges Übel ist, um irgendwann dorthin zu gelangen, wo man hin will und wo es einem endlich besser geht.  „Wenn wir nur endlich genug Geld gespart haben, für unser Haus, dann… .“ „Wenn die Kinder groß sind, dann … .“ „Wenn ich in Rente bin, dann endlich… .“  Mit dieser Einstellung jedoch, machen es sich viele Menschen (und ich war lange Zeit einer von ihnen) so richtig schwer. Der Kreislauf ist immer derselbe: Wir quälen uns teilweise regelrecht zur Arbeit und freuen uns dann jedes einzelne Mal darauf einige Tage frei zu haben. Frei zu sein, zu tun was wir tun wollen. Frei zu sein von all diesem „Müssen“ und „Sollen“ und „nicht dürfen“. 

 

Auf diese Art und Weise zu denken und zu leben ist in vielerlei Hinsicht stressig und anstrengend. Die eine Hälfte der Zeit bist du müde und angestrengt, von dem was du unbedingt durchziehen musst (Work). Die andere Hälfte deiner Zeit (Life) stehst du unter Druck, weil du denkst, du müsstest sie besser nutzen und mehr aus deiner freien Zeit machen (Stichwort: Freizeitstress!).

 

Deshalb ist auch für viele Menschen der Heimweg von der Arbeit am Freitagnachmittag am schönsten. Weil da alles noch vor uns liegt. Wir spüren so etwas wie Erleichterung. Durchatmen. Wenn wir dann Zuhause sind, sind wir oft müde, geschlaucht, erschöpft. Manchmal bricht sich die Erkältung Bahn, die wir die ganze Woche erfolgreich unterdrückt haben. Unser Traum von Freiheit endet darin, einzukaufen und den Haushalt zu machen, den wir die ganze Woche vernachlässigt haben und uns irgendwie zu entspannen, damit wir wieder fit für die nächste Woche werden. 

 

Was können wir also tun, um aus diesem zermürbenden Kreislauf endlich auszusteigen?

 

1. Lege dringend den Glauben ab, dass Arbeit eine schreckliche Last sein muss!

Es gibt tatsächlich Menschen, die gern zur Arbeit gehen. Diese Aussage war fiel für mich in eine ähnliche Kategorie, wie wenn mir jemand erzählt hätte, Elefanten seien gelb: Ich konnte das einfach kaum glauben, weil meine eigene Sicht völlig eingeschränkt war, durch all den sowohl körperlichen als auch emotionalen Stress, der permanent durch mein Nervensystem rauschte!

 

Und solltest du gerade vielleicht in einer ähnlichen Situation sein, lass mich dir sagen, dass ich inzwischen weiß, dass es Menschen gibt, die sich am Sonntagabend bereits darauf freuen, am Montagmorgen wieder mit  Kolleg*innen zusammen zu kommen und/oder einer inspirierenden Tätigkeit nachzugehen.  Unter der Woche kommen sie häufig inspiriert nach Hause, weil sie tolle Begegnungen hatten. Und danach haben sie sogar noch Lust und Energie sich mit Freunden zu treffen und Dinge zu unternehmen. Arbeit muss keine Last sein. 

 

Denke auch nicht, dass die einzige Lösung ist, dich auf die Schnelle mit irgendetwas selbständig zu machen, und zwangsläufig dein eigener Boss zu sein. Du musst finden, was zu dir passt und womit du dich gut fühlst. Wenn du dich wirklich jeden einzelnen Tag zu deiner Arbeit quälst, musst du dir selbst genug Wert sein, dich auf die Suche zu machen. Auf die Suche nach netteren Kolleg*innen. Nach Vorgesetzten, die unterstützender sind. Nach neuen Aufgabengebieten. Nach etwas, was für den Moment auf jeden Fall besser ist, als das, was du gerade durchleidest. Beweg dich. Gehe an den Rand deiner Komfortzone, damit du neue Perspektiven einnehmen kannst. Damit sich dein Denken verändern kann. Denn nur, wenn sich dein Denken langsam verändert, wir dir das Universum (und deine eigene Energie) neue Dinge liefern können, die sich deinem veränderten Denken anpassen. 

 

2. Finde heraus, was du wirklich mit deiner freien Zeit (dem „Life“ in der Work-Life-Balance) anfangen willst!

 

„Hauptsache nichts mehr zu müssen!“ zählt nicht. Konzentriere dich auf das, was du willst. Konzentriere dich auf das, was dir Spaß macht. Auf Dinge, die dich begeistern. Aufgaben in denen du richtig gut bist. Auf Dinge mit denen du dich wohl fühlst. Werde konkret. Erstelle Listen, kreiere Visionboards. Schreibe es in dein Tagebuch. Bring Klarheit in deine Wünsche und Träume. Sei deutlich und lass das Universum damit wissen, was du willst. 

Es geht hier gar nicht darum, als wie realistisch du deine Möglichkeiten einschätzt. Es geht erstmal nur darum deine Energie dazu ganz langsam zu verändern und deinen Blick wieder für neue, andere Möglichkeiten zu öffnen.

 

 

3. Verschaffe dir generell einen Überblick über dein Leben und seine unterschiedlichen Bereiche

 

Ich selbst beschäftige mich gern mit ökologischer Landwirtschaft, Permakultur, etc. Wahrscheinlich fragst du dich, warum ich das hier so scheinbar zusammenhanglos erwähne. Alles Leben in der Natur basiert auf einem im Grunde genommen sehr stabilen (vorausgesetzt, man lässt die Dinge sein, wie sie sind) und intelligenten Gleichgewicht. Überall auf der Welt gibt es ganz unterschiedliche Ökosysteme, die sich selbst erhalten und immer wieder erneuern.  

 

Und im Grunde genommen sind auch du und dein Leben ein ganz eigenes Ökosystem. Du bist nicht nur dieses eine Ding, das einen Namen und ein Alter hat. 

Du bist eine Mischung aus deiner körperlichen Konstitution, aus deinen Vorlieben, aus deinen Gewohnheiten und Prägungen, aus deiner Arbeit, aus dem Ort, an dem du lebst, deiner Familie, etc. Du bist alles und nichts davon. Du bist ein Wesen, das aus Körper, Geist und Seele besteht. 

 

Jeder dieser Teilbereiche unseres Lebens braucht gleichsam Aufmerksamkeit. 

 

Sobald wir einen dieser Bereiche vernachlässigen, oder auch sobald wir einem dieser Bereiche zu viel Aufmerksamkeit schenken, gerät unser ganzes Leben schnell aus dem Gleichgewicht. Wenn du zum Beispiel zu viel Aufmerksamkeit auf den spirituellen Bereich (hier: Seele) richtest, kann es zwar sein, dass du dich mitunter mit allem Leben verbunden fühlst, und dass du viele Zusammenhänge begreifst, aber es kann auch gleichzeitig sein, dass du all dein Wissen und all deine positiven Gefühle in Bezug auf Spiritualität nicht in deinen Alltag, nicht in deinen Job, nicht in deine Beziehung übersetzen und integrieren kannst. Daraus ergibt sich oft das Resultat, dass du dich in der Meditation verbunden fühlst und deshalb immer mehr menschlichen Kontakt vermeidest, der dich nach wie vor stresst. Zu viel Fokus auf die spirituelle Ebene zu richten, kann dazu führen, unsere menschlichen Beziehungen zu vernachlässigen. 

 

Wenn du hingegen zu viel Zeit im Geist (hier: Verstand) verbringst, und zu viel Zeit darauf richtest dich mit deinen Sorgen, Ängsten, Nöten oder Gedanken und Prägungen zu beschäftigen, kann es passieren, dass du das Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten verlierst. Du nimmst dann häufig überall nur geschlossene Türen wahr und siehst die Möglichkeiten nicht, die sich neben den geschlossenen Türen aufgetan haben. Du vergisst dann auch häufig deine Stärken und auch, dass du mehr Hilfe um dich herum hast, inclusive deiner Intuition und spirituellen Führung, als du gerade siehst.

Kein Wunder, dass du dich in all dem nur zu leicht verlierst und immerzu erschöpft und ausgelaugt fühlst!

 

Wenn du deine Aufmerksamkeit allerdings nur auf deinen Körper richtest, nur darauf was du essen solltest, was du nicht essen solltest, dass du zu viel oder zu wenig Schlaf hast, dass es hier wehtut oder dort schmerzt, kann es passieren, dass du den Sinn für deine eigene Großartigkeit und die definitiv auch die vorhandenen schönen und guten Dinge in deinem Leben verlierst.

 

Vielleicht bist du frustriert, weil bestimmte Krankheiten, sich in deinem Leben immer wieder neu manifestieren, oder einfach nicht verschwinden wollen. Vielen Menschen geht das so und wenn es so ist, macht sich schnell Unzufriedenheit breit, weil man dem Körper scheinbar alles gibt, weil man doch scheinbar alles tut, und sich trotzdem nicht besser fühlt. Das passiert schnell, wenn man sich zu sehr auf die körperliche Ebene fokussiert, weil dort ja das scheinbare Problem liegt. Aber denke daran, dass du ein Ökosystem bist und auch dein Verstand, deine Emotionen, dein Stresslevel hier Einfluss nehmen.

 

Viele von uns, die dem Weg der Selbsterkenntnis und dem Weg des persönlichen Wachstums schon eine Weile gefolgt sind, verlieren sich in der Aufarbeitung von negativen Gefühlen und Mustern. Bei zu viel Fokus auf diesen Bereich kann sich ebenfalls Frustration einstellen: „Ich habe schon so viel an mir gearbeitet, und doch verändert sich nichts zum Besseren.“ 

 

Es ist eine weitere Illusion, zu glauben, dass wir jemals damit fertig sind. All das ist ein lebenslanger Lernprozess. In diesem Fall ist es häufig hilfreich, sich mal wieder bewusst auf die körperliche Ebene zu konzentrieren. Und zwar nicht, wie es viel zu häufig angewendet wird , im Sinne von Selbstoptimierung, sondern, indem wir lernen wieder zu genießen. Auch das ist ein wichtiges Merkmal der körperlichen Ebene. Essen mal wieder zu genießen. Bewegung draußen zu genießen. Erleichterung und Entspannung dabei zu spüren mal nichts zu tun. Körperlichkeit im Sinne von Berührung zu genießen: sei es durch Massagen und Wellness, durch den Kontakt zu Tieren oder durch partnerschaftliche und/ oder freundschaftliche Berührungen.

 

In diesem erweiterten Zusammenhang, ist es also tatsächlich wichtig, das Gleichgewicht zu behalten und seinen Fokus immer mal wieder bewusst zu verschieben. Das Gleichgewicht, die Balance, zwischen Körper, Geist und Seele ist also enorm wichtig. Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben hingegen ist reine Illusion. Wir sind komplexe Ökosyteme, die sich nicht in zwei einfache Kategorien wie Arbeit und Leben einteilen lassen. 

 


Ich freue mich, wenn du mir deine Gedanken zu diesem Beitrag in den Kommentaren hinterlässt. Allerdings kann ich hier, in diesem Rahmen, nicht persönlich darauf eingehen. Wenn du dir eine persönliche Antwort wünschst, ist es immer besser, mir eine Mail zu schreiben ;) Aktuelle Inhalte von mir findest du außerdem immer auf Instagram unter @the.feeling.files


Kommentar schreiben

Kommentare: 0