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Über die sozialen Konsequenzen, wenn wir uns verändern

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Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit und des Konzepts von Work-Life-Integration und hat mich immer schon interessiert. Vor einigen Jahren habe ich für ein dreiviertel Jahr konsequent zuckerfrei gelebt und mich seitdem mit den unterschiedlichsten Ernährungskonzepten beschäftigt. Kürzlich bin ich dabei auf das Buch „Für immer zuckerfrei“ von Anastasia Zampounidis gestoßen, was mich sehr inspiriert hat. Neben vielen fundierten Informationen über eine zuckerfreie Ernährung hat mir besonders gut gefallen, dass sie zum Beispiel auch darauf eingeht, welche „sozialen Konsequenzen“ es mit sich bringt, wenn wir unseren Lebensstil auf die ein oder andere Weise ändern. 

 

So erzählt Anastasia Zampounidis über viele Situationen mit und innerhalb ihrer griechischen Familie, für die Essen ein wichtiger Punkt des gemeinsamen sozialen Lebens ist. Und ich denke, dass das viele von uns kennen- unabhängig von unserer Herkunft. Ich selbst hatte eine Oma, für die das Zubereiten von Nahrung und das Anbieten von Mahlzeiten zum absoluten Ausdruck ihrer Fürsorge gehörte. Mit „Ich habe gerade keinen Hunger“ oder „Oma, du weißt doch, dass ich nur vegetarisch esse“ stieß man dort grundsätzlich auf taube Ohren und Unverständnis. Wenn man bedenkt, dass die Generation meiner Oma ihre wesentlichen Prägungen während der Kriegszeit erhielt, ist das auch gar nicht weiter verwunderlich. (Dazu gibt es übrigens ganz tolle Bücher von Sabine Bode „Nachkriegskinder“ oder „Kriegsenkel“ zum Beispiel.)

 

Indem man sich das, als ersten Schritt, grundlegend bewusst macht, kann man schon mal ein bisschen Stress aus der Situation heraus nehmen. Denn viele Menschen geben solche Kommentare nicht aus böser Absicht ab. Sie müssen auch kein bewusstes Ignorieren eurer Wünsche darstellen, sondern sind einfach oft nur sehr, sehr fest verankerte Lebens- und Überlebensmuster.

Durch die Menschheitsgeschichte hinweg waren das Beschaffen von Nahrung und das gemeinsame Essen wichtiger Bestandteil von Planung, Kommunikation und dem gelebten Alltag.

Und auch wenn das Beschaffen von Nahrung (wenn man von der Qualität einmal absieht) heute für die meisten von uns wesentlich einfacher ist, wird über kaum etwas anderes so viel geredet, diskutiert und geschrieben wie über individuelle Ernährungsweisen.

 

Mein eigenes Credo ist schon seit langem: zurück zur Natur. Das klingt simpel und im Grunde genommen ist es das auch. 

Es erstaunt mich manchmal, dass sich so viele Menschen darüber wundern, wie viele Probleme wir doch in unserer hochzivilisierten und industrialisierten Welt erschaffen haben. In einer Welt, in der „Waldbaden“ plötzlich zum neuen Trend wird, oder in Krankenhäusern in denen ernsthaft kranken Menschen zum Frühstück Kaffee, Weißmehlbrötchen, Margarine und Marmelade serviert werden, vermisse ich das, was man „gesunden Menschenverstand“ oder auch Intuition nennt. In meiner Arbeit merke ich, dass genau das aber vielen verloren gegangen ist. Werbung, Nachrichten und Lobbyisten großer Konzerne sagen uns ja ganz gern, was wir denken sollen. Da dann zu beginnen wieder selbst aktiv zu werden, selbst zu recherchieren und sich auch manchmal von so mancher populärer Meinung zu distanzieren, kostet mitunter Kraft.

 

Und nicht nur das, wenn wir zurück zu den sozialen Konsequenzen kommen. Anastasia Zampounidis erzählt zum Beispiel, dass sie manchen Spott und blöden Spruch einstecken musste, als sie begann sich intensiv mit traditioneller chinesischer Medizin und alternativen Ernährungskonzepten zu beschäftigen. Das kann dann schnell mal in Richtung „Ökotussi“ oder „Spaßbremse“ gehen. 

 

Man darf nie vergessen, dass viele Menschen sich unbewusst herausgefordert fühlen, wenn sie jemandem begegnen, der sich dazu entscheidet völlig anders zu leben, als es die breite Masse tut. Denn im Grunde genommen wissen wir alle, dass uns eine überwiegende Ernährung aus verpacktem Essen mit unleserlicher Zutatenliste nicht gut tut. Und gleichzeitig gehört viel innere Überzeugung, neu angeeignetes Wissen, Offenheit und eine gehörige Portion Mut dazu, die Veränderungen auch wirklich umzusetzen.

Und wenn dann unser Umfeld, Familie und Freunde völlig verständnislos auf unseren Wandel reagieren, passiert es nicht selten, dass wir wieder Abstand nehmen, von dem, was uns eigentlich gut tut. 

Viele machen diese Erfahrungen auch mit Alkohol: Eine Freundin von mir trinkt keinen Tropfen mehr, seitdem sie Anfang zwanzig ist. Ohne vorherige Sucht. Einfach nur aus freien Stücken heraus. Weil es ihr keinen Spaß macht, betrunken zu sein. Und es ist unfassbar wie oft sie sich dafür rechtfertigen muss, wie oft sie dazu gedrängt wird oder zu hören bekommt „man dürfe sich ja auch nicht allzu sehr anstellen“.

 

Dazu kann ich eigentlich nur eines sagen: Achte absolut auf das, was dir selbst gut tut. Missioniere niemanden. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, sprich nicht darüber. Wenn jemand echtes Interesse zeigt, tue es doch! Wenn jemand mit dir wild diskutiert, nur um seinen eigenen Lebensstil zu rechtfertigen, ist nach meiner Erfahrung Schweigen immer die bessere Wahl. Du selbst weißt, wie dein Körper auf was reagiert. Und du musst dich nie dafür rechtfertigen, warum du keinen Alkohol trinken, keinen Kuchen oder kein Würstchen essen willst: wie Cheryl Richardson immer so schön sagt: „Nein, ist ein vollständiger Satz.“

 

„Zurück zur Natur“ ist also für mich alles andere als eine überzogene „Ökotussihaltung“ oder eine Spinnerei, die es verdient, belächelt zu werden. In einer Welt, in der chronische Krankheiten ständig zunehmen, sollten wir uns wieder viel mehr darauf besinnen, was uns die alten Völker lehrten: Let food be thy medicine and medicine be thy food. Lass deine Nahrung deine Medizin sein und deine Medizin deine Nahrung. Das Zitat wird dem griechischen Arzt Hippokrates zugeschrieben. Das dahinter stehende Konzept wurde und wird jedoch von vielen anderen im Laufe der Zeitalter unterstützt. Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich natürlich nicht gegen das bin, was wir heute „westliche Medizin“ nennen. Im Gegenteil: bei einem Unfall, Beinbruch, Blinddarmdurchbruch oder bei sonst einem akut auftretenden Notfall bin ich heilfroh, dass ich schnelle, kompetente und wirksame Hilfe erwarten kann. In allen anderen Bereichen, dürfen wir uns jedoch auch sehr gern mal zusätzlich in anderen Teilen der Welt umschauen. Denn dort gibt es (sei es in der traditionellen chinesischen Medizin, im Ayurveda oder in der Klostermedizin) enorm viel Hilfreiches zu entdecken.

Das Fazit von allem: Höre dir unterschiedliche Meinungen an. Mache dich mit unterschiedlichen Konzepten vertraut. Und dann entscheide selbstbewusst, was sich für dich am besten anfühlt und gut tut.

 

Übrigens: ich ernähre mich inzwischen nicht mehr komplett zuckerfrei, habe aber genug Erfahrungen mit meinen Mustern und mit meinem Körper gesammelt, um zu wissen, was, wann und wie viel geht. Und auch, um zu merken, wann ich in ungesunde Suchtmuster zurück falle. Das ist ein Prozess, den jeder nur für sich selbst anstoßen und entdecken kann. Und auch einer, der sich ständig entwickelt und ändert. Was mir letztes Jahr gut tat, muss es nicht zwangsläufig auch noch in drei Monaten tun. Und was für mich richtig ist, muss es nicht gleichzeitig auch für dich sein. Jeder Körper ist anders. Lebensumstände ändern sich ständig. Und das verlangt Reflexion und Anpassung. Immer wieder.

 

(Dieser Blogbeitrag enthält Empfehlungen, die ich als „Werbung“ kennzeichnen muss. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass es sich um echte Empfehlungen handelt, von denen ich überzeugt bin und für die ich nicht bezahlt wurde oder Vergünstigungen erhalte. Außerdem lies dir hier bitte meinen wichtigen Disclaimer durch!


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