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Über weihnachtliche Kompromisse, Geschenke und Erwartungen

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Einer der weisesten Sätze, von Ram Dass lautet: „Wenn du denkst, dass du erleuchtet bist, verbring erstmal eine Woche mit deiner Familie.“

 

Eigentlich könnte aus genau diesem einen Satz mein Dezember-Blog bestehen, denn Weihnachtszeit und Familienzeit überschneiden sich nun mal überdurchschnittlich häufig. Um ein bisschen besser durch diese, für viele herausfordernde Zeit, zu kommen, hier noch ein paar weitere Überlegungen und Denkanstöße dazu.

 

Ich selbst gehöre nicht zu jenen, die die Vorweihnachtszeit als besonders stressig empfinden. Und ich wundere mich immer ein bisschen, wenn ich von so vielen Seiten Dinge wie diese höre: „So ein Stress! Ich frage mich, warum ich mir das eigentlich jedes Jahr wieder antue!“ „Diese blöde Schenkerei! Wem bringt das schon irgendetwas außer Stress!“ „Ich bin jetzt schon froh, wenn diese ganzen Feiertage endlich vorüber sind.“

 

Ich liebe die Weihnachtszeit. Ich liebe die geschmückten, leuchtenden Innenstädte und Schaufenster. Ich liebe es, Geschenke einzukaufen. Ich mag es, mir Gedanken um Menschen zu machen, die mir wichtig sind. Und wenn sich jemand etwas Bestimmtes wünscht, besorge ich das auch. Manche Menschen sagen, das wäre unsinnig, weil die Person dann ohnehin schon weiß, was sie bekommt.  Nach dem Motto: „Wir schenken uns sowieso nur Dinge hin und her. Die könnten wir uns auch selbst kaufen und uns den Stress ersparen!“  Viele Menschen denken tatsächlich so. Ich nicht. Ich mache das gewünschte Geschenk sehr gern. Warum? Weil es von mir kommt. Weil es auch sagt: „Hey ich möchte dir gern etwas schenken. Ich mag dich und freue mich, wenn du dich freust.“

Und nein, ich erwarte nicht, dass ich selbst etwas dafür zurück bekomme. Wenn ich schenke, in der Hoffnung, dafür etwas zurück zu bekommen, tue ich es aus den falschen Motiven. Schenken sollte geschehen, weil ich jemanden mag. Weil mir jemand vielleicht viel geholfen hat und ich damit Danke sagen kann. Alles andere, zum Beispiel schenken aus Pflichtgefühl, verdirbt letzten Endes alle Freude. Schenken sollte von Herzen kommen, oder man sollte es wirklich lassen. Das ist kein zickiger Kommentar, sondern einfach nur eine simple Anleitung, um nicht massenweise stressige und enttäuschende Energien anzuziehen.

 

Meiner Meinung nach liegt der Weihnachtstress, den viele empfinden, vor allem in falschen Erwartungen. Schau dir das Ganze bitte einmal etwas aus der Distanz an:

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir haben wahrscheinlich viel gearbeitet. Unser Sommerurlaub ist schon eine ganze Weile her. In vielen Firmen, häufen sich Aufgaben, die zum Jahresabschluss dringend fertig sein müssen. Die Tage werden kürzer. Das Wetter für viele ungemütlicher. Unser Körper bekommt weniger Licht. Er stellt sich auf Ruhe und Einkehr ein. Und genau das bietet uns unser Alltagsleben in den Wochen vor dem Jahreswechsel nicht. Was wir uns in dieser Zeit aufbürden läuft vollkommen entgegen gesetzt zu unserem natürlichen Rhythmus. Wir sehnen ein paar freie Tage herbei. Ferien, Urlaub, Schlafen, Ruhen, Entspannen. Spaß mit der Familie. Einmal nichts müssen. Zeit füreinander haben.

 

In der Realität geschieht dann Folgendes:

Während sonst alle Familienmitglieder ihrem gewohnten Alltag nachgehen, sind nun alle zuhause. Neben den engsten Familienmitgliedern kündigen sich diverse weitere Verwandte zum Besuch an. Wir sind vierundzwanzig Stunden zusammen. Und wir merken plötzlich, dass Entspannung für jedes Individuum anders aussieht. Die einen wollen täglich drei Stunden an der frischen Luft verbringen. Die anderen wollen drei Stunden lesend und eingekuschelt auf dem Sofa sitzen, und kriegen das blanke Entsetzen bei der Vorstellung spazieren zu gehen. Die einen lieben es, rund um die Uhr zusammen zu kochen und zusammen zu essen. Die anderen lieben es, die Zeit zwischen den Jahren für Entgiftungs- und Reinigungsprozesse und auch körperliche Neuanfänge zu nutzen.

Dass es bei diesen verschiedenen Bedürfnissen überdurchschnittlich oft zu Konflikten kommt, ist kein Wunder. Und so ziemlich das einzige Mittel, das hilft, heißt hier: Leben und leben lassen. So sehr, wie du dir wünschst, dass deine eigenen Bedürfnisse respektiert werden, solltest du auch die Bedürfnisse anderer respektieren. (Und dabei immer im Hinterkopf behalten, dass niemand dich glücklich machen kann, außer dir selbst.)

 

Ich persönlich liebe die Vorstellung des Neuanfangs. Das alte Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit für Einkehr. Zeit für Reflexion. Zeit, sich Gedanken zu machen über Dinge, die gut gelaufen sind und für die man dankbar ist. Zeit für neue Ziele. Wohin will ich? Was dient mir? Was will ich nicht mehr? Ich könnte damit Tage verbringen. Wochen wahrscheinlich sogar. Dieses tiefe Bedürfnis von mir, muss ich in Einklang bringen, mit den Bedürfnissen meiner Familie und Freunde. (Und das geht, wenn wir sehr bewusst damit umgehen.)

Denn ich glaube, wenn wir die Feiertage als Zeit mit der Familie begreifen, müssen wir uns auch auf sie einlassen- auf die Familie meine ich. Was kann das konkret heißen? Nun ja, ich spiele wirklich nicht gern Regelspiele. Aber ich setze mich dazu, spiele einige Runden mit, habe Spaß, obwohl ich davon überzeugt war, keinen zu haben. Ich setze mich bewusst zu meiner Oma, und höre mir eine Stunde lang Geschichten an, die ich selbst inzwischen auswendig kenne. Warum? Weil sie das einzige sind, woran sie sich erinnert. Und weil sie sich dabei entspannt- was wiederum mich entspannt und Begegnungen möglich werden lässt. Ich gehe auch mal mit spazieren, obwohl es mich meistens nicht sonderlich begeistert, nur um danach festzustellen, dass es mir sehr gut getan hat.

 

Auf die Ansprüche und Bedürfnisse anderer können wir gereizt, wütend und verschlossen reagieren nach dem Motto: Habe ich mir denn nicht auch mal ein bisschen Ruhe verdient?

Und auch wenn diese Reaktion verständlich ist, liegt sie doch nicht an den anderen, sondern an uns selbst. Wenn mir meine eigene freie Zeit so kostbar ist, dass ich jegliche Abweichung davon als Störung empfinde, habe ich im Alltag definitiv zu wenig davon. Noch dazu ist es nur natürlich, dass unsere eigenen Unzufriedenheiten mit dem Leben gerade da ans Licht kommen, wo wir nicht von sonstigen vermeintlichen Pflichten abgelenkt sind. Und anstatt uns dann in diesem Dilemma immer weiter zu verschließen, sollten wir uns dafür öffnen, neue Wege zu entdecken. Neue Gedanken darüber zu denken. Neue Perspektiven dazu einzunehmen. Wir sollten aktiv nach Möglichkeiten suchen, die Dinge, die uns so unzufrieden machen, zu verändern. Uns selbst zu Liebe.

 

Hier ein paar wirklich wertvolle Tipps für den Dezember im Allgemeinen und die Feiertage im Besonderen.

·        Es geht nie darum, deine eigenen Bedürfnisse ständig unterzuordnen. Gleichzeitig geht es dennoch auch um Kompromisse. Kündige beispielsweise an, dich an den Feiertagen jeden Tag eine Stunde zum Meditieren und Lesen zurück zu ziehen. Schließe dafür die Tür hinter dir. Wenn du deine Absicht klar und deutlich äußerst, wird kaum einer auf die Idee kommen, dich dabei zu stören. Es geht darum, die Bedürfnisse und Wünsche aller zu respektieren. Hab du selbst auch Verständnis dafür, wenn das für manche vielleicht bedeutet, einfach mal drei Stunden am Stück ein Videospiel zu spielen.

·        Schenke mit Freude. Lache. Reduziere deine Erwartungen an andere und konzentriere dich auf dich selbst. Lasse auch anderen die Freiheit, sich die Art der Entspannung selbst auszusuchen. 

·        Egal ob Feiertag oder nicht: manchmal sind wir gestresst- das bringt das Leben mit sich. Aber wir dürfen diesen Stress nicht zur Gewohnheit, nicht zur Normalität werden lassen. Wir müssen für uns selbst sorgen. Für mich bedeutet das beispielsweise: Ich weiß um diesen Ort in mir drin, an dem ich gelassen bin, an dem ich sicher bin, an dem ich völlig zufrieden mit mir und mit meinem eigenen Dasein bin. Und ich kann jederzeit dorthin zurückkehren, wenn ich es mir bewusst vornehme. Nach jeder anstrengenden Situation mit einem Vorgesetzten. Nach jeder Störung im öffentlichen Nahverkehr. Nach jedem großen Familientreffen. Ich trage nicht die Verantwortung für irgendwen außer mir selbst. (Und das tust du auch nicht, außer für deine noch nicht erwachsenen Kinder und Haustiere, wenn du welche hast.) Ich kann mich einfach aus Situationen zurück ziehen, ohne sie für andere lösen zu wollen.

 

Natürlich ist die Weihnachtszeit mitunter anstrengend. Und sie ist auch reichhaltig an Erfahrungen, an Gelegenheiten zu persönlichem Wachstum und zwischendrin ist sie auch einfach nur schön. Ich persönlich arbeite daran, dass die verbleibenden restlichen circa 358 Tage des Jahres meinem persönlichen Gefühl von Weihnachten und Neubeginn entsprechen. So kann ich mich an den „echten“ Feiertagen voll und ganz auf die Chancen dieser entwicklungsreichen Zeit einlassen. Und ich lade dich dazu ein, dasselbe zu tun. Sorg dafür, dass jeder Tag des Jahres Weihnachten für dich ist.


Wenn Du magst, teile an dieser Stelle gern deine eigenen Erfahrungen dazu mit uns!

Alles Liebe,

Sabrina



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