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Über Selbstliebe: Eine ursprüngliche Sicht auf eine innewohnende Kraft

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Über Selbstliebe
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„Liebe und akzeptiere dich selbst“ ist eine Weisheit, die in den sozialen Medien gerade ganz schön überstrapaziert wird. Deshalb hab ich auch kurz gezuckt, als die Karte für diesen Monat aufkam. Irgendetwas Abgedroschenes über Selbstliebe zu schreiben kam nicht in Frage. Einmal gezogene Karten zu ignorieren aber leider noch viel weniger.

Andererseits habe ich über Selbstliebe so wahnsinnig viel gelernt in den letzten Jahren, dass es vielleicht einfach an der Zeit ist, etwas davon zu teilen.

Wie so oft, bleibe ich ein bisschen an dem Wort hängen. Ich mag es nicht besonders. Es ist mir ein bisschen zu konstruiert. Denn ist Liebe nicht Liebe? Egal für wen oder für was? Und hat Liebe nicht schon immer die unterschiedlichsten Gesichter und Formen gehabt? Wenn Liebe präsent ist, also die echte Liebe, die im Hintergrund all dessen was ist, fließt, dann liebt man Menschen und Tiere und Bäume und das Meer und eben auch sich selbst. Diese echte Liebe kennt keine Unterschiede in der äußeren Welt und bezieht sich auf alles und nichts zugleich.

 

Aber um hier ein bisschen weiter zu kommen, verwenden wir den Begriff.

Was hat mich also mein Leben über „Selbstliebe“ bis hierher gelehrt?

An dieser Stelle können Listen folgen, mit allen Dingen, die du für dich selbst tun kannst: spazieren gehen, ein Bad nehmen, dich um deine Bedürfnisse kümmern, bevor du andere zufriedenstellst, vitale, lebendige Nahrung zu dir nehmen, meditieren, dir eine Katze kaufen, oder, oder, oder.

 

Wie man so schön sagt ist das alles allerdings nur die halbe Miete, bzw. sogar noch weniger, wenn wir nicht zum Ursprung vordringen.

Wenn ich das Konzept „Selbstliebe“ in einem Satz zusammenfassen sollte, so würde ich sagen: dich selbst zu lieben heißt bei dir zu bleiben. Es heißt im wahrsten Sinne des Wortes, dich selbst nicht zu verlassen.

Bleibe also an deiner eigenen Seite, wenn du traurig bist. Bleibe bei dir, wenn du etwas Schönes erlebst. Bleibe bei dir, wenn du wütend bist. Verlass dich nicht selbst. Hab Mitgefühl mit dir. Hab Mitgefühl und Verständnis für dich selbst in all diesen Emotionen und Gefühlen, die das Leben so mit sich bringt. Erlaube dir auch schlechte Tage zu haben. Und noch einen „Schwierigkeitsgrad höher“, wenn du ein sehr spiritueller Mensch bist: erlaube dir schlechte Tage zu haben, an denen du nicht zwangsläufig meditierst. Erlaube dir schlechte Tage zu haben, an denen du mit dem Pulli von vorgestern auf der Couch sitzt, Eis isst und bei einer Folge Grey's Anatomy nach der anderen vor dich hin vegetierst und heulst. Liebe (Selbstliebe) ist nicht immer nur schön und rosa und kuschelig und von Duftkerzen umhüllt. Sie bringt uns an unsere Grenzen. (Und das ist gut, denn nur so geschieht langfristig Ausdehnung und Wachstum.) Liebe ist vor allem Akzeptanz. Akzeptiere dich in allem, was du gerade erlebst und durchmachst. Egal, ob es etwas Gutes oder etwas weniger Schönes ist.

 

Aber übe dich wirklich darin bei dir zu bleiben. Übe dich darin, als waches Bewusstsein an deiner eigenen Seite zu bleiben, während du erlebst, was auch immer du erlebst.

Komm nicht auf die Idee, Selbstliebe würde bedeuten sich immer nur gut zu fühlen. Denn so geht es vielen Menschen, die sich mit Selbstliebekonzepten beschäftigen, nach dem Motto: „Wenn ich unglücklich bin, habe ich in Punkto Selbstliebe versagt. Heute gibt es kein Sternchen für mich.“

 

Auf meinem Arm prangt seit gut einem Jahr ein Tattoo, das meine eigene Definition von (Selbst)liebe ist, an die ich mich immer und wieder erinnern und zu der ich immer wieder zurückkehren will. Dort steht: „And out of all these things I’ve done, I think I love you better now.“ (Und viele von euch werden jetzt wissen, dass dieser Satz aus einem berühmten Ed Sheeran Song ist. Interessanterweise konnte ich „Liebeslieder“ schon immer viel besser auf mich selbst beziehen, als auf andere.)  Mit diesem Satz gebe ich mir jeden Tag folgende Botschaft: Egal, was auch immer ich schon versucht habe, all diese unendlich vielen Dinge, die ich für dich (mich) ausprobiert habe, um dir zu helfen und dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Nach all dem, nach all diesen unendlich vielen Versuchen, bleibt, dass ich dich jedes Mal besser lieben kann. Nicht mehr oder weniger. Sondern tatsächlich besser. Ich lerne es. Jeden Tag ein bisschen besser.

 

Und am Ende ist das alles was zählt. An seiner eigenen Seite zu bleiben. Sich selbst nicht zu verlassen, egal was kommt.

Liebe ist ein Mysterium. Sie folgt keinen Regeln. Sie dient uns am besten, wenn sie als Energie einfach frei fließen kann. Sie lässt sich nicht in bestimmte Richtungen drängen oder auf etwas festlegen. Und dabei bildet Selbstliebe keine Ausnahme.

 

 

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