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Wie wir die Dunkelheit in uns heilen und was Prison Break damit zu tun hat

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„Gut“ oder „Böse“? Man sollte meinen, diese Unterscheidung wäre ganz leicht zu treffen. Gut und Böse. Richtig und falsch. Wahrheit und Lüge. Es gibt nur das eine, oder das andere. Oder?

Vor einiger Zeit hatte ich hier in meinem Blog, über spirituellen Aktivismus geschrieben. Zeiten wie diese, scheinen dies ganz besonders notwendig zu machen. Mit Zeiten wie diesen, meine ich, Zeiten in denen wir täglich mit negativen Nachrichten konfrontiert werden. Zeiten in denen das Leben, wie wir es gekannt haben, immer unsicherer zu werden scheint. Zeiten, in denen es überall so viel Leid zu geben scheint, dass wir, in dem Versuch damit umzugehen, oft genug maßlos überfordert sind.

 

Solche Zeiten, Zeiten wie diese, machen es notwendig neue Fragen zu stellen und ganz bewusst nach neuen Antworten zu suchen.

 

Wie ist das also mit Gut und Böse? Ist es tatsächlich so einfach, dass die einen die Täter und die anderen die Opfer sind? Natürlich hätten wir alle gerne, dass es so ist. In all diesem Chaos, hätten wir wenigstens gerne die Gewissheit, wer genau das Problem ist.

 

Denn indem wir entscheiden, wer Täter und wer Opfer ist, gewinnen wir wenigstens ein kleines Stückchen Sicherheit zurück.

Scarlett Lewis beispielsweise, die ihren sechsjährigen Sohn Jesse, bei einer Schießerei in einer amerikanischen Schule verloren hat, hat eine Bewegung ins Leben gerufen, die sich mit Ursachenforschung beschäftigt. Und sie hat den Mut gefunden ein Verständnis dafür zu erlangen, was den Amokläufer, den Mörder ihres Sohnes, zu einer Person hat werden lassen, die zu dieser Tat fähig war.

Und hier erreichen wir eine Grenze zwischen Gut und Böse, über die wir uns häufig nicht zu sprechen trauen, denn es gibt leichtere Themen. In Deutschland begehen jährlich ca. 10000 Menschen Selbstmord. Gemessen an der Anzahl der Einwohner ist die Suizidrate in vielen Ländern der Welt leider noch höher. Und, ohne die genauen Hintergründe jedes einzelnen kennen zu müssen, ist doch klar, dass Verzweiflung hinter all diesen Taten steckt. Keinen Ausweg mehr zu wissen. Keinen Sinn mehr im eigenen Leben zu sehen. Sich unbeachtet, verloren, verlassen und einsam zu fühlen. Mit dem Leid und den Anforderungen der Welt nicht mehr klar zu kommen.

 

In diesem Zusammenhang frage ich mich, warum sich im Angesicht solcher deprimierender und erschreckender Tatsachen nicht mehr Menschen trauen die folgenden Fragen zu stellen: Wieso hatte denn der jugendliche Attentäter nichts mehr zu verlieren? Wie viel Geringschätzung und wie viel Ignoranz hat er erfahren, die ihn vielleicht am Ende dazu getrieben haben, zu glauben, dass er nichts mehr zu verlieren hat? Dass eine verquere Form von Rache an vermeintlich glücklichen Menschen, alles war, was seine Gedanken noch beherrschen konnte?

Selbstverständlich sind diese Überlegungen keine Entschuldigung für seine Tat. Und sie helfen auch keinem der Angehörigen, die geliebte Menschen in irgendeiner Art von Tragödie verloren haben.

 

Und trotzdem, dennoch, bin ich davon überzeugt, dass wir keine Lösung finden werden, bevor wir nicht anfangen uns genau diese Fragen zu stellen. Denn natürlich wollen wir alle nur diese Attentäter ausgeschaltet wissen. Diese unberechenbaren Menschen. Wir wollen uns doch einfach nur sicher fühlen. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Genauso wie die Unterscheidung zwischen Gut und Böse.

 

Lasst uns noch ein bisschen tiefer einsteigen.

Ich war mein Leben lang ein leidenschaftlicher Serienjunkie. Eine der besten und heftigsten Serien, die ich je geschaut habe war „Prison Break“. Es war die Serie für mich, mit dem größten Spannungsfaktor. Eine Serie, die ich kaum aushalten konnte, weil mein Puls regelmäßig nach oben gestiegen ist. So spannend, so intensiv, so extrem. Welcher Charakter würde überleben? Wie würde sich diese Situation wohl lösen lassen? Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich aus tiefstem Herzen mitfieberte. Und dann stellte ich mir tatsächlich zwischendurch immer wieder die Frage, warum eigentlich? Denn im Grunde genommen ging es bei der ganzen Serie um einen Haufen Krimineller. Jeder einzelne dieser Charaktere hat eine mehr oder weniger schlimme kriminelle Vergangenheit. Und trotzdem, entwickelte ich Sympathie. Und trotzdem wollte ich, dass lieber der eine und nicht der andere Charakter überlebte.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen in einer solchen Serie nicht nur- sie sind vollkommen aufgehoben. Und sie springen vollkommen chaotisch hin und her.

Jetzt könnte man sagen, dass das doch aber nur eine Serie ist und das andere schließlich das reale Leben! Ich sehe das nicht so. Vielmehr sehe ich in der Faszination für solche Szenen einen Spiegel unserer eigenen Welten. Ich glaube, dass das reale Leben nie so einfach in Gut und Böse einzuteilen ist, wie wir es gerne hätten. Sondern, dass uns genau diese Einteilung eine Sicherheit vermittelt, die es auf diese Weise in der Realität nicht gibt. Und was noch viel schwerwiegender ist: Diese Einteilung lässt uns selbst auf der vermeintlich guten Seite stehen. Und mit dieser strikten Einteilung, müssen wir uns nicht mit unseren eigenen dunklen Seiten auseinandersetzen.

 

Wir sind hier schließlich nicht die Bösen. Es gibt immer welche, die viel Schlimmeres tun als wir selbst. Da gibt es einzelne Individuen, die sich in Menschenmengen in die Luft sprengen. Mein unbewusster Konsumrausch, mit dem ich Massentierhaltung und erschreckende Arbeitsbedingungen in anderen Ländern unterstütze (und damit zu Unmengen an Leid und Schmerz beitrage) wiegt da deutlich weniger. Da gibt es Individuen, die den Tod anderer bewusst in Kauf nehmen. Die aus Hass, Angst und Wut, Morde und Kriege planen. Wenn ich hingegen beständig über Menschen lästere, tratsche und klatsche, die in meinen Augen zu dick, zu dünn, zu reich, zu arm, zu irgendwas sind, und sie damit öffentlich abwerte, kann man das doch bitte in keinem Verhältnis dazu sehen!!! Oder?

 

In einem energetischen Universum, und in einem solchen leben wir, wird alles ins kollektive Bewusstsein eingespeist. Unser Hass und unsere Urteile anderen und uns selbst gegenüber ebenso, wie unsere Emotionen von tiefer Dankbarkeit und Fürsorge uns selbst und anderen gegenüber.

 

In welche Kategorien teilen wir unsere eigene Sicht von Gut und Böse ein? Wo liegt unsere persönliche Grenze? Wo unsere persönliche Grauzone? Ich stelle diese Fragen bewusst mit dem Vor-Wort „persönlich“. Denn eines habe ich in meiner Arbeit mit unzähligen Menschen über die Jahre festgestellt: Die eine objektive Grenze gibt es nicht.

 

Mystiker und Weisheitslehrer aller Zeiten, sagen uns, dass wir der Dunkelheit in der Welt nur mit einer einzigen Sache wirklich begegnen können: indem wir der Dunkelheit in uns selbst begegnen.

Ich glaube, dass kaum etwas anderes der Wahrheit dieses Lebens zur aktuellen Zeit näher kommt. Louise Hay sagte dazu, ebenfalls ziemlich treffend: „Wenn du dein Haus wirklich richtig reinigen willst, musst du zuerst den Schmutz sehen“. Erweitern wir es auf die Welt. Wenn du die Welt von Dunkelheit befreien willst, musst du zuerst dich selbst von Dunkelheit befreien. Stell dich deinen Ängsten. Stell dich deinen Urteilen und Vorurteilen. Begegne den Mustern in dir selbst, für die du dich zutiefst schämst- und komm an den Punkt, an dem du Mitgefühl mir dir selbst empfinden kannst.

 

Immer wenn ich an eine solche Stelle mit meinen Ausführungen komme, fühle ich mich besser dabei zu sagen: „Nein, wir müssen nicht von heute auf morgen Heilige werden. Ja, natürlich, habe auch ich selbst meine ganz eigenen Herausforderungen damit- wie jeder andere Mensch, dem ich bisher begegnet bin. Aber meine Güte, wir müssen trotz allem irgendwo einen Anfang machen.“

 

Beenden möchte ich diesen Artikel deshalb mit einem sehr passenden Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme „Maleficent- die dunkle Fee“: „Anders, als die Legende prophezeite, hatte weder eine Heldentat noch ein Verbrechen die beiden Königreiche versöhnt, sondern eine gute Fee, die ihre dunkle Seite überwunden hatte.“

 

 

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