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Über Ferien, Perfektionismus und Erleuchtungsmomente

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Über Ferien, Perfektionismus und Erleuch
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In diesem Monat fühle ich mich dazu inspiriert über Urlaub, Ferien und Auszeiten zu schreiben. Zuallererst kam mir dazu in den Sinn, das Thema Perfektionismus in den Mittelpunkt zu stellen. Denn das ist es häufig, was wir vom Urlaub erwarten. Eine perfekte Zeit, die uns für den stressigen Alltag entlohnt. Das beste Wetter, das tollste Essen, die freundlichsten Menschen. Wir freuen uns schon lange Zeit vorher darauf. Wir haben Erwartungen, machen Pläne. Und dann, am großen Tag, begegnet uns die Realität und wir stellen vor allem das eine fest:

Wir nehmen uns selbst immer mit.

 

Der wundervolle Wayne Dyer sagte zu seinen Lebzeiten immer wieder: „You don‘t get in life what you want. You get what you are.“ Du bekommst im Leben nicht immer das, was du willst. Aber du bekommst immer, was du bist. Dazu nahm er gern das Beispiel mit der Orange heran. Er hielt eine Orange in der Hand und fragte das Publikum: „Wenn ich diese Orange auspresse, was bekomme ich dann?“ (Natürlich rief ihm jeder zu: „Orangensaft!“) Und er freute sich immer wieder und sagte daraufhin: „Natürlich! Wenn du eine Orange auspresst kannst du nicht erwarten Apfelsaft zu bekommen. Du bekommst was drinnen ist. Ob es dir gefällt oder nicht.“

 

Häufig lassen wir uns dazu verleiten zu glauben: „Wenn meine Mutter/ meine Schwester/ mein Partner/ … anders reagiert hätte, wäre meine eigene Situation jetzt viel besser.“ Oder „Wenn das Personal freundlicher gewesen wäre, hätte ich mich nicht so viel ärgern müssen.“ Aber das ist zu kurz gedacht. Denn in dir kann nur erweckt, getriggert und angeklickt werden, was schon in dir ist. Wenn in dir Stürme an Wut, Enttäuschung oder Frustration wüten, sind das Zustände, die in dir sind und die durch andere lediglich aktiviert, nie aber verursacht werden.

 

Wenn in dir Freundlichkeit, Liebe und Fürsorge einen großen Platz einnehmen, werden sie aus dir herauskommen- und zwar in der gleichen Situation. Der eine begegnet dem unfreundlichen Kellner mit Ärger und Empörung. Der andere begegnet ihm mit umso mehr Freundlichkeit. Es ist die gleiche Situation- aber wie sie erlebt wird, wie wichtig sie genommen wird und zu was sie gemacht wird, ist vollkommen unterschiedlich.

 

Ich habe mich oft selbst darin wieder gefunden. In dem Glauben, Ferien müssten absolut perfekt sein. Und dann war ich enttäuscht, als ich feststellte, dass Ängste nicht plötzlich über Nacht verschwunden waren. Dass ich trotz allem öfter müde war und nicht plötzlich das ersehnte Energie- und Kraftlevel einer Olympiaturnerin hatte. 

Du nimmst dich selbst immer mit.

 

In den Ferien werden wir anders gefordert, als im Alltagsleben. Wir werden anders bewegt, getragen, manchmal geschubst und gedrängt- und dann zeigt sich um ein vielfaches Mehr, was eigentlich in uns steckt. Welche Gefühle; Gedanken und Ideen wir in uns tragen, die nun an aus uns heraus kommen. 

Du nimmst dich selbst immer mit.

 

Neben diesen vielen kleinen Situationen, die an unserem Perfektionismus kratzen, und die uns unsere inneren Muster vor Augen führen, gibt es aber auch die anderen Erlebnisse, die uns unsere eigene Tiefe offenbaren.

 

Da gibt es beispielsweise diesen Moment am Strand in der Dunkelheit, an der du den großen Wagen über dir erblickst und plötzlich tief bewegt feststellst, dass du dieses Sternenbild sonst tausende Kilometer hinweg „Zuhause“ von deiner eigenen Terrasse aus beobachtest. Und die Erkenntnis steigt aus dir hervor, wie klein du doch bist, wie groß die Welt, wie irrelevant viele der täglichen Ärgernisse sind, und vor allem, wie groß die Kraft ist, die all das zusammenhält. Und dann erlebst du ein ungeahntes tiefes Vertrauen in dich selbst und in die Welt.

 

Oder der Moment, wo du im Meer schwimmst, umgeben von der Schönheit der Natur und dich der Gedanke trifft: „Wenn ich hier nicht energiegeladen und ein Bündel an Lebensfreude bin, wo dann?“ Und wo aus dieser spontanen Frage die Erkenntnis aus dir heraus emporsteigt, die dir sagt: „Was ist, wenn genau das okay ist? Was ist, wenn es genau hier, genau wie es gerade ist, völlig in Ordnung ist? Was ist, wenn du einfach hier sein kannst, egal ob müde oder fröhlich oder traurig oder überschäumend vor Lachen oder genervt oder begeistert von den Wundern des Lebens? Was ist, wenn alles gleichermaßen okay ist, so wie es ist?“ Und wenn dir in diesem Moment gleichzeitig klar wird, dass die Kraft, die viele Gott oder das Universum nennen, egal in welchem Zustand du bist, immer mit dir kommt und dass du nie getrennt von ihr sein kannst. Und dann atmest du plötzlich ganz tief durch. Und obwohl du müde bist, bist du auch okay, weil du nirgendwo sonst zu sein hast. Weil du gut genug bist, wie du bist, ohne dich ständig selbst optimieren zu müssen.

 

Wenn wir es zulassen, bringen uns Reisen und/ oder Auszeiten immer mit neuen Seiten von uns selbst in Kontakt. Wir lernen mehr darüber, wer wir wirklich sind, was uns begeistert, auch, womit wir uns häufig selbst im Weg stehen.

 

Es ist unnötig, uns damit unter Druck zu setzen, dass eine Erfahrung auf eine bestimmte Weise ablaufen muss. In den allerseltensten Fällen wird dein Leben in den Ferien plötzlich vollkommen perfekt sein. Aber deshalb kannst du die Reise trotzdem genießen. Und all das Gute aus den neuen Erfahrungen mit zurück nach Hause bringen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ella (Donnerstag, 03 August 2017 12:04)

    Ja, vielen lieben Dank für die Erkenntnisse . Es ist so wie es ist!