· 

Über meine Zeit mit Marie Kondo und was ich über das Aufräumen gelernt habe

Download
Was ich über das Aufräumen lernte. Audio Version.
Über meine Zeit mit Marie Kondo.m4a
MP3 Audio Datei 11.8 MB


Vor einiger Zeit habe ich angefangen aufzuräumen. Und ich rede dabei nicht von der üblichen Art aufzuräumen, also nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu versuchen, irgendeine Ordnung herzustellen, um weiter in der Wohnung leben zu können. Täglich natürlich. Diese Form des Aufräumens, die irgendwie nie endet und mit der wir selten zufrieden sind. Eines kann ich schon vorweg nehmen: meine Definition von Aufräumen ist eine andere geworden.

 

Wenn wir uns mit anderen darüber unterhalten wie es uns geht, bekommen wir sehr häufig die folgende Antwort: „Ach naja du weißt ja wie das ist- Arbeit, Haushalt und schneller als man gucken kann ist wieder eine Woche vorbei!“

 

Arbeit und Haushalt. Diese zwei Dinge scheinen uns alle in unserem Stress zu verbinden. Über ihre Arbeitsbedingungen unterhalten sich viele Menschen. Sie wünschen sich Verbesserungen in ihrem Arbeitsleben. Weniger Stress, mehr Freiheiten, mehr Zeit für sich selbst, mehr Zeit für die Familie. Und wenn es um den Bereich Arbeit geht, haben wir alle auch immer Vorbilder vor Augen, die es irgendwie besser hinbekommen als wir. In diesem Bereich scheint also eine gewisse Hoffnung auf Verbesserung zu bestehen.

 

Haushalt und Aufräumen, sehen viele Menschen hingegen als notwendiges Übel an, à la: „Daran lässt sich überhaupt nichts ändern. Das ist nun mal so!“ Und deshalb benutzen viele den freien Samstag, um endlich wieder Ordnung in der Wohnung zu schaffen. Befriedigend ist das nicht.

 

 

Ein Schwerpunkt meiner Coaching Arbeit, ist das Thema Work-Life-Balance. Ich habe mich sehr viel damit beschäftigt und auseinandergesetzt. Und wenn ihr schon einige meiner Blogs gelesen habt, wisst ihr, dass ich inzwischen nicht mehr von Work-Life-Balance spreche, sondern von Work-Life-Integration. Im Spätsommer startet auch mein neues Coaching-Programm zu genau diesem Thema. Mir war schon lange klar, dass wir einfach keine Unterschiede mehr zwischen unserer Freizeit und unserer Arbeitszeit machen können, wenn wir ein erfülltes Leben führen wollen. Was mir jedoch keinesfalls derart bewusst war, ist die Tatsache, wie sehr unsere Art des Aufräumens und unsere Art und Weise mit den Dingen in unserem Leben umzugehen, darauf Einfluss nehmen!

 

Ich hatte immer und immer wieder in langen Phasen meines Lebens das Bedürfnis meine Gegenstände zu sortieren. Ich dachte immer, wenn ich mal richtig Zeit habe, einfach mal einige Tage am Stück, sortiere ich meine Fotos. Ich nehme mir diesen bestimmten Ordner vor. Ich sortiere die Zeitschriften aus. Ich hake To-Do-Listen ab. Ich sortiere meinen Kleiderschrank neu. Ich bringe endlich mal Ordnung in all meine Dinge. Im echten Leben passierte aber dann regelmäßig das: Ich ging arbeiten, kam nach Hause, spülte das notwendige Geschirr, meistens wenigstens, sortierte meine Wäsche ein und sah zu, dass ich halbwegs gesaugt und geputzt hatte. All die Dinge, die ich so gern sortieren wollte, häuften sich immer mehr. Zwischendurch fand ich mal eine Stunde um eine bestimmte Schublade zu sortieren oder das ein oder andere Kleidungsstück auszumisten. Doch noch während ich das tat, sammelten sich bereits andere Dinge an, die der Alltag in unsere Wohnungen schleppt. Insgesamt war es ein sehr unbefriedigender Kreislauf.

 

Und trotzdem war dieses Bedürfnis nach Ordnung immer und immer wieder vorhanden. Also begann ich, mich ausführlicher mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich las Bücher, ich fragte nach Hintergründen, ich überprüfte mein eigenes Verhalten.

 

Und ich stellte fest, ich hing wesentlich mehr an meinen ganzen Dingen, die ich um mich herum angesammelt hatte, als mir gut tat. Und ich verbrachte viel mehr Zeit damit, all meine vermeintlichen Heiligtümer zu verwalten, anstatt wirklich Freude an ihnen zu haben.

 

Ich begann auch, mich mit aktuell beliebten Theorien und Konzepten wie dem von Marie Kondo zu beschäftigen. Und dann begann ich aufzuräumen. Richtig aufzuräumen. Der Schlüssel lag vor allem darin zu erkennen, dass mich viele meiner vielen Dinge gar nicht wirklich glücklich machten. Ich stellte fest, dass ich viel zu viele Dinge besaß, bei denen ich mir dachte: „Wer weiß vielleicht brauche ich die irgendwann noch mal!“ Oder „Naja eigentlich mag ich das ja nicht, aber es war ein Geschenk von jemanden der mir wichtig ist.“ Oder „Hieran hängen so viele schöne Erinnerungen, vielleicht vergesse ich sie ohne diesen Gegenstand!“

In meiner Auseinandersetzung mit all diesen Fragen und Glaubensmustern stellte ich vor allem fest, dass mir meine ganzen Dinge ein unterschwelliges Gefühl von Sicherheit vermittelten. Und die noch viel größere Erkenntnis war, dass mich diese vermeintliche Sicherheit einschränkte. Dass sie mich einsperrte. Dass sie mich unflexibel machte. Dass ich viel mehr Lebenszeit darauf verbrachte, all meine Dinge zu verwalten, anstatt Freude an ihnen zu haben.

 

Nun geht es aber nicht darum, alles, was wir besitzen, einfach weg zu geben. Es geht nicht zwangsläufig darum, völlig frei von Besitz zu sein. Und es geht erst Recht nicht darum, zu glauben, um unser Ego zu überwinden, dürften wir keinen Besitz mehr haben, der uns am Herzen liegt- ein oft herangezogenes spirituelles Missverständnis.

Worum geht es dann?

Es geht vor allem darum, uns mit Dingen zu umgeben, die uns glücklich machen. Und dabei ist es egal, ob wir von Kleidung, Büchern, Dekoartikeln oder Nahrungsmitteln sprechen. Alles was wir aus einem Angst- oder Schuldgefühl heraus besitzen blockiert unsere Energie. Und diese Dinge, lassen wir besser los. Diese Dinge schränken uns ein, anstatt uns zu befreien.

 

Du bist nicht Dein Besitz. Dein Wert wird nie über Deinen Besitz definiert. Viel zu häufig tun wir aber genau das: wir identifizieren uns über unseren Besitz. Wir können uns deshalb kaum vorstellen, dass es viel einfacher ist, und sich viel leichter anfühlt, weniger zu haben. Dafür aber mehr von genau den Dingen, die zu uns passen und uns Freude machen.

Ein persönliches Praxisbeispiel dazu: Ich habe weit mehr als die Hälfte meiner Klamotten aussortiert. Und während ich früher häufig Dinge angezogen habe, bei denen ich dachte „Naja für heute sind sie gut genug“ oder „Für die Arbeit werden sie schon noch mal gehen!“, stehe ich jetzt vor dem Kleiderschrank, und finde plötzlich mehr zum Anziehen, obwohl ich weniger besitze. Weil nur noch Dinge in meinem Schrank sind, die mir wirklich gefallen und in denen ich mich wohl fühle.

 

Kommen wir noch mal zum Thema Work-Life-Integration zurück, denn ich möchte deutlich machen wie diese zwei Bereiche zusammenhängen.

 

Wir streben danach immer mehr zu arbeiten, um immer mehr Geld zu verdienen, um dann damit immer mehr Dinge anzuhäufen, die uns im Endeffekt nur immer mehr einschränken. Und eigentlich ist das vollkommen verrückt!

Was wäre denn, wenn wir uns erlauben würden, weniger zu arbeiten, weniger Geld zu haben, weniger Dinge zu besitzen. Was wäre, wenn wir feststellen, dass diese ganzen Dinge, die wir uns so sehr wünschen, uns viel häufiger behindern und einschränken, als dass sie uns Erfüllung verschaffen. Denn wir glauben häufig, dass all die Dinge, die wir ansammeln, uns am Ende glücklich machen. Uns am Ende erfüllen. Aber wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, und unser Verhalten überprüfen, stellen wir fest, dass kein einziges Ding, die Leere in uns füllen kann. Die Leere in uns, die ständig und immer wieder nach neuen Dingen und Gegenständen verlangt, kann nur durch Bedeutung gestillt werden. Indem wir sinnvolle Dinge tun. Und durch Freude und Liebe.

 

Deine Dinge wirklich aufzuräumen, ist ein heiliger, spiritueller Prozess. Und der dauert eine Weile. Marie Kondo gibt einen Zeitraum, von bis zu sechs Monaten dafür vor. Den braucht man dafür. Die meisten wenigstens. Und für manche wird aus den sechs Monaten vielleicht sogar ein transformierendes Aufräumjahr. Es ist ein Prozess, der Deine Persönlichkeit verändert- und ich kann Dir nur wärmstens ans Herz legen, damit zu beginnen.

 

Wenn Du jetzt noch wissen willst, wie ich das alles praktisch angegangen bin, denn ich habe mich nicht völlig strikt an Maries Plan gehalten, habe ich eine PDF zusammengestellt, mit den wichtigsten Punkten, die die Anwendung der Aufräummethoden betreffen. Solltest Du Interesse daran haben, schreibe mir eine kurze Mail und ich schicke sie Dir gern zu.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0