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Über spirituellen Aktivismus und wie Du zum Teil der Lösung wirst

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In den letzten Wochen hat mich eine persönliche Sache sehr beschäftigt: Ich habe mich gefragt, wie es mir eigentlich gelingen kann, die Balance zu halten, auf dem schmalen Grat zwischen positivem Fokus und dem ständigen Beschäftigen mit dem Leid der Welt.

Im Zusammenhang mit Konzepten rund um positiven Fokus, dem Gesetz der Anziehung, etc. wird inzwischen häufig auch der Begriff „spiritual bypassing“  (spirituelle Vermeidung) genannt. Es geht dabei darum aufzupassen, dass spirituelle Techniken nicht dazu benutzt werden, eigene Probleme zu ignorieren und die Augen vor dem Leid anderer zu verschließen.

Aber auch Angst- und Schockstarre helfen niemandem. Wie gesagt, ein sehr schmaler Grat für mich, auf dem ich mich selbst in letzter Zeit so häufig wieder finde.

 

Diese Zustände von Verwirrung und mangelnder Klarheit, finde ich inzwischen, kann und muss man, aushalten lernen. Wenn ich Angst habe, mich verwirrt fühle oder Selbstzweifel aufkommen, hilft kein blinder Aktionismus à la „Ich meditiere das mal schnell weg“ oder „Ich spreche schnell ein paar positive Affirmationen dagegen und fokussiere mich auf das Positive.“

In solchen Phasen tauche ich tief in meine Spiritualität ein. Ich lasse mich fallen. Lasse Ängste aufkommen. Erlaube meiner inneren Stimme lauter zu werden. Und ich höre auf meine spirituellen und geistigen Führer.

 

Und wie es so häufig ist, werden mir dann viele Fragen beantwortet, und neue kommen auf. Heute teile ich mit euch die Essenz meiner wichtigsten Erkenntnisse dazu.

Nach all den Terroranschlägen in jüngster Zeit, muss ich zugeben, dass ich mit den „Pray-for-Hashtags“ zwischendurch ziemlich gehadert habe. Einerseits finde ich es natürlich wichtig und richtig, Mitgefühl auszudrücken. Es ist wichtig zu sagen: „Hey ich sehe dein Leid, und ich nehme Anteil daran.“  Was ich jedoch in den sozialen Netzwerken beobachtet habe, entsprach in den seltensten Fällen diesem Grundsatz. Denn häufig wurde nur die einzige Frage nach der Nennung des Hashtags gestellt: "Warum?" 

 

Und mit dieser Frage habe ich, um ehrlich zu sein, so meine Schwierigkeiten. Denn für mich ist das keine Frage, auf die es keine Antworten gibt. Wir wissen, warum in unserer Welt schreckliche Dinge geschehen. (Auch wenn wir das gern übersehen wollen. Stichwort „spiritual bypassing“.) 

 

Schreckliches geschieht, weil wir viel zu unbewusst Leben. Es geschieht, weil die meisten von uns immer nur unseren vermeintlichen Pflichten hinterher rennen, ohne uns um unsere Bestimmung zu kümmern.  Schlimmes geschieht, weil wir Angst vor unseren Gefühlen haben. Weil wir befürchten, dass uns etwas weggenommen wird, wenn ein anderer etwas bekommt. (Und es gibt unzählige weitere Antworten auf die Warum-Frage.)

Zwangsläufig ergibt sich aus einem solchen Alltagsbild Neid, Hass, Gier und Wut. Viel zu viele Menschen werden unterdrückt, für das Wohl anderer. Matt Kahn (einer meiner eigenen wichtigsten, spirituellen Lehrer) sagt dazu: „Nicht Terror ist unser Problem. Verteilung ist unser Problem. Wenn du etwas tun willst, um den Terror in unserer Welt zu verhindern, bring Ressourcen und Möglichkeiten in das Leben all jener, die keinen Zugriff darauf haben. Und mit Ressourcen und Möglichkeiten ist gemeint: Nahrung. Kleidung. Bildung. Hoffnung.“

 

Wenn wir also einem Terroranschlag mit einem "Pray-for-Hashtag" und der Frage „Warum?“ begegnen, gehen mir solche Posts einfach nicht weit genug. Also habe ich mir selbst lange Zeit und immer wieder die Frage gestellt was zu tun ist. Was ich eigentlich tun kann. Und es hat lange gedauert, bis ich befriedigende Antworten fand. Aber wie immer, wenn wir dem Universum wichtige Fragen stellen, bekommen wir wichtige Antworten. Manchmal dauert es etwas, aber sie kommen.  

 

Louise Hay sag beispielsweise dazu, dass sie sich gern mit Menschen beschäftigen wird, dass sie sich ihr Leid anhören wird, dass sie ihnen beistehen wird, aber dass sie keinesfalls und unter keinen Umständen „ain’t it awful“ (Wie schrecklich ist doch alles!) mit den Menschen spielen wird. Auch ich denke, dass uns „ain’t it awful“ kein bisschen weiter bringt.

Eine weitere Antwort habe ich danach von Doreen Virtue gehört, die sagt, dass sie so viele Menschen trifft die sich gegen Unheil auflehnen, die laut werden, die auf Missstände aufmerksam machen, und die dennoch, und das ist das wirklich traurige, keine neue Lösung anbieten.

 

Als ich also selbst in meiner Blase saß, was ich eigentlich tun kann, was zu  viel ist, was zu wenig ist, was richtig ist, was falsch ist, präsentierte mir das Universum immer wieder die eine Lösung:  Spiritueller Aktivismus.  Plötzlich hörte ich das Wort immer wieder in Podcasts oder las es in Büchern. Es kam einfach immer wieder zu mir. Umso mehr ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr wurde mir klar, das spiritueller Aktivismus weder übertriebener positiver Fokus noch „ain’t it awful“ ist. Spiritueller Aktivismus ist der Grat, auf dem wir balancieren können. Hier zu gehen bedeutet, die Dinge in die Hand zu nehmen. Sie nicht nur zu sehen, zu benennen und auf sie aufmerksam zu machen, sondern etwas zu tun.  

Was sind diese Dinge also, die spirituelle Aktivisten tun können? Sie können ganz einfach sein, oder sehr komplex. Zu den ganz einfachen Dingen gehört es mehr zur Verteilung von Ressourcen und Möglichkeiten auf der Welt beizutragen. Konkret bedeutet das beispielsweise, Geld zu spenden. Aber auch hier nicht blind um dein Gewissen zu beruhigen, sondern Verantwortung zu übernehmen und gut zu recherchieren, welche Organisationen das Geld so verteilen, dass anderen damit wirklich geholfen wird. 

 

Die eine Sache, die spirituellen Aktivismus von blindem, wut- und angstbasierten Aktivismus unterscheidet, ist der Blick auf die energetische Ebene. Das bedeutet gleichzeitig, dass eines der wirkungsvollsten Dinge, die du tun kannst ist, zu beten. Und damit kommen wir wieder ein bisschen zurück zu den „Pray-for-Hashtags“. 

Denn beten bedeutet nicht, in Verzweiflung zu schwimmen und nach dem "Warum" zu fragen. Zu beten, wirklich zu beten, bedeutet zunächst einmal sich mit der Quelle auseinanderzusetzen zu der man betet. Was ist dieses etwas zu dem wir beten? Was sind meine persönlichen Einstellungen dazu? Was glaube ich persönlich, welche Absichten dieses Etwas hat? Was will es von mir? Was will ich von ihm?  Zu beten bedeutet also nicht irgendetwas zu rezitieren, sondern sich zunächst erst einmal fundamental damit zu beschäftigen, was beten eigentlich bedeutet. (Und ganz ehrlich, wie viele Menschen tun das, die nach einem Attentat oder ähnlichem, nach dem Warum fragen, ohne auch nur einen einzigen Schritt weiter zu gehen und nach einer Lösung zu suchen?) 

 

Im zweiten Schritt geht es darum, die Energie zu verändern. Denn auch das, bedeutet spiritueller Aktivismus, nämlich, dass wir einsehen müssen dass dieses Universum ein energetisches Universum ist. Auf vielen wissenschaftlichen Pfaden, wurde das inzwischen bewiesen. Vollkommen unabhängig jeder Wissenschaft, weiß ich aber, genauso wie unzählige andere von euch, aus meiner persönlichen Erfahrung, dass das Zeug mit der Energie einfach funktioniert. Beten ist kein Hokuspokus. Es ist kein Seifenblasen-Zauber. Beten ist Energieübertragung. Es bedeutet Licht von hier zu einem anderen Ort zu schicken. Oder besser, es dort zu aktivieren. Was wir inzwischen auch wissen ist, dass Licht Informationen in sich trägt. Unsere Gebete, wenn sie nicht nur daraus bestehen nach dem Warum zu fragen, können also tatsächlich etwas bewirken. Sie können es nicht nur, sie tun es. Sie verändern die energetische Schwingung.  

 

Und dann kommt noch eine andere Ebene hinzu. Nämlich die Erkenntnis, und das musste ich auf der menschlichen Ebene erst einsehen, dass wir damit nicht fertig werden. Wir werden nicht an den Punkt kommen, an dem uns der Terror der Welt nicht mehr belastet. Wir werden nicht an den Punkt kommen, an dem wir überhaupt keine Ängste und Sorgen mehr haben. Wir stecken in einem evolutionären Prozess. Das bedeutet für uns als Menschen, dass wir immer und immer wieder von vorne beginnen. Nur so, dass wir an jedem neuen Anfang ein bisschen mehr wissen als am letzten Anfang. 

 

Es bedeutet, dass wir in Aktion treten. Dass wir irgendetwas tun. Aber, dass wir es verdammt noch mal, auch wirklich tun. Eine konkrete Aktion. Dass wird dann Loslassen üben. Immer und immer wieder loslassen. Und das nach dem Loslassen nicht alles vorüber ist, irgendwann, sondern dass dann die nächste Aktion kommt. Und dann kommt wieder das nächste Loslassen. Und die nächste Aktion. Die nächste konkrete, spirituelle Handlung, die anderen Menschen dient. Und zwischendurch beschäftigen wir uns mit Ritualen. Wir meditieren, gehen zu Retreats und Seminaren und umgeben uns mit schönen Dingen, um unsere Batterien aufzuladen, und dann machen wir die verdammte nächste gute Tat.  

In "Eine neue Erde" sagt Eckhart Tolle: „Nicht jeder ist schon reif dafür, aber immerhin schon einige, und mit jedem Menschen, der erwacht kommt das kollektive Bewusstsein mehr in Schwung und alles wird leichter für die anderen.“  Matt Kahn sagt im gleichen Zusammenhang, dass der berühmte TippingPoint erreicht werden muss. Dass genug von uns, genug gute Dinge tun, genug gute Energien verteilen, so dass der TippingPoint erreicht werden kann, damit sich am Ende alles zum Guten wenden kann. 

Höre heute damit auf, Teil des Problems zu sein und beginne Teil der Lösung zu werden.


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