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Über Visionen, Manifestationen & Wünsche. Und über die Schwierigkeiten damit.

In diesem Monat habe ich beschlossen über ein Problem zu sprechen, das viele Menschen in der spirituellen Community kennen. Manche sprechen darüber, andere nicht. Aber mal ehrlich, wie ist das eigentlich mit dem Manifestieren von Dingen und Umständen? Funktioniert das bei euch? Manchmal? Immer? Immer mal wieder? „The Secret“ und alles rund ums „Gesetz der Anziehung“ haben uns schließlich beigebracht, dass wir alles haben können, wenn wir unseren Fokus nur konzentriert genug darauf richten. Allerdings gibt es da ein Problem mit dem ich in letzter Zeit immer wieder konfrontiert werde. 

 

Folgende Fragen ergeben sich:

Wie kann es eigentlich sein, dass ich schon wieder erkältet bin, wo ich doch ständig versuche meine Gedanken positiv zu halten? Wie kann es sein, dass ich noch immer nicht meinen Traumjob habe, wo ich doch ständig an meinen Visionen arbeite? Wie kann es eigentlich sein, dass meine Beziehungen nicht perfekt sind, obwohl ich doch ständig versuche meine eigene Schwingung zu kontrollieren? Warum rege ich mich eigentlich noch immer über Probleme auf? Was habe ich dieses Mal getan, um das schon wieder anzuziehen? Was habe ich noch nicht geklärt? Was noch nicht aufgelöst? Was steht meiner gewünschten Manifestation noch im Weg?  

 

Viele Menschen glauben, ein spirituelles Leben zu führen, hieße gleichzeitig, ein perfektes Leben zu führen. Frei zu sein, von allen weltlichen Bedürfnissen. Gut zu sein, über alle Maßen hinweg. Immer in Harmonie mit allem und mit jedem. Für jedes Problem eine Lösung. Und niemals aufregen. Nicht wütend werden. Traurigkeit binnen Minuten auflösen können. Ebenso wie Schmerz. 

 

Wenn man Spiritualität so versteht, passiert eigentlich nur eins: es wird anstrengend. Und wir verlagern unsere Probleme eigentlich nur. Denn aus dieser Perspektive nutzen wir alle spirituellen Tools und Techniken auch wieder nur, um uns zu optimieren, anstatt uns endlich mit allen Unzulänglichkeiten so anzunehmen, wie wir sind.

Denn genau darum geht es letztendlich- darum uns mit unseren Problemen und Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, anstatt sie einfach unter den Teppich zu kehren. Spiritualität ist kein Mittel zum Zweck. Sie bietet uns keine Flucht aus diesem Leben. 

 

Lange Zeit habe ich an mir selbst gezweifelt, wenn ich wieder und wieder in dieselben schwierigen Situationen geraten bin und mich im Kreis gedreht habe. Und wie es meiner Persönlichkeit entspricht habe ich versucht nur noch härter an mir zu arbeiten. (Und ich weiß, dass das vielen von euch genauso geht.)

 

Und dann, als ich mit meiner eigenen scheinbaren Unfähigkeit verzweifelt genug war, habe ich plötzlich einen neuen Weg entdeckt. (Der klassische Moment von: Der Lehrer taucht auf, wenn der Schüler bereit ist.) 

Gabrielle Bernstein hat kürzlich ein jetzt schon sehr erfolgreiches Buch mit dem Titel „The universe has your back“ heraus gebracht: Das Universum steht immer hinter dir. Es sorgt für dich. Stimmt das?

 

Ein weiterer Lehrer, den ich vor einigen Monaten „zufällig“ entdeckt habe, ist Matt Kahn, und ich liebe seine Sicht auf dieses Thema. In meinen eigenen Worten zusammengefasst ist seine Ansicht dazu etwa: Warum mühst du dich mit diesem ganzen Manifestieren und Auflösen und Loslassen eigentlich so ab? Warum strengst du dich so sehr an? Glaubst du denn wirklich, dass du allein hier bist? Dass das ganze Leben eine zufällige Aneinanderreihung von Dingen ist, die allein von deinen Alltagsentscheidungen abhängen? 

 

Egal ob Gabrielle Bernstein oder Matt Kahn (oder einer der vielen anderen), was sie vermitteln ist: Das Universum sieht immer das größere Bild. Es weiß, was gut und richtig für dich ist. Und es lässt sich nicht kontrollieren. Leben lässt sich nicht kontrollieren. Weder durch deine Gedanken noch durch deine Wünsche oder durch noch härtere Arbeit.

 

Nachdem ich das erst einmal begriffen hatte, wurde es leichter. Denn, meine Güte, in der heutigen Welt kommen mir alltägliche Entscheidungen manchmal wie der Weg zum Lottogewinn oder zum totalen Verhängnis vor. Ist die Entscheidung richtig für meine Zukunft? Ist sie unerlässlich für mein Glück? Wird sie alles verderben? Alles verbessern? Ist es richtig und gut dieses zu wollen? Oder doch besser jenes? Ist es besser dorthin zu gehen? Oder zuhause zu bleiben?

 

Meine persönlichen Erfahrungen der letzten Monate, haben mich zu einem neuen Blickwinkel geführt: ich entscheide nur noch für den Moment. Für das, was sich gerade jetzt gut anfühlt. Ich folge meinem aktuellen Gefühl. Und darin liegt die Weisheit des Universums. Dass es den ganzen Weg kennt. Dass es das große, umfassende Bild sieht. Es ist weder meine Aufgabe, noch meine Fähigkeit, noch meine Verantwortung, zehn Schritte weiter schauen zu können. Hierin liegt das Vertrauen ins Universum. In seine Größe. Denn es kennt mich. Und es weiß alles über mich. Alles, was ich hier gerade vergessen habe.

Und ich kann kaum in Worte fassen, wie erleichternd es ist, diese überwältigende Aufgabe abzugeben. Und sich zu ergeben. 

 

Eins sei noch gesagt: natürlich funktioniert das Gesetz der Anziehung. Was wir ausstrahlen ziehen wir an. Nur ist dieses Gesetz so viel umfassender, als wir bisher glaubten, denn es existiert nicht nur auf der irdischen Ebene, sondern auch auf allen anderen Ebenen, die uns betreffen. Für uns individuell ist da natürlich vor allem die Seelenebene relevant. Und wenn unsere Seele (aus ihrer höheren Perspektive) etwas anderes für unser höchstes Wohl ansieht, als unsere beschränkte menschliche Sicht- dann erscheint es uns manchmal so, als würde das Gesetz der Anziehung nicht funktionieren. Das tut es aber immer. Deshalb findest du auch immer wieder Menschen, die irgendwann sagen: „Diese Krankheit/ Trennung/ Pleite war schrecklich, aber im Nachhinein das Beste, was mir passieren konnte.“

 

Beim Manifestieren und Visualisieren und Wünschen geht es also nicht um das perfekte Ergebnis. Es geht vielmehr darum, eine Idee davon zu bekommen, warum wir hier sind. Warum wir dieses Leben leben. Wer und was dieses Leben auf der Erde hier ausgedacht hat. Es geht darum, eine Idee von den unsichtbaren Kräften zu bekommen, die dafür sorgen, dass unser Herz schlägt. Dass Blumen wachsen. Dass die Kreisläufe der Natur perfekt aufeinander abgestimmt sind. Dass wir geboren werden und sterben und wiedergeboren werden. Dass wir heilen.

Und dann, diesen Kräften zu vertrauen. Vertrauen, vertrauen und immer wieder vertrauen. Dass sie das Beste für uns mit sich bringen- auch wenn wir es noch nicht sehen können.  

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Kommentare: 2
  • #1

    Christina (Freitag, 04 November 2016 06:07)

    Liebe Sabrina,
    vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag. Ich fühle es genauso, wie du schreibst. Vertrauen in das Universum, dass für uns sorgt, nimmt auch mir als Kopfmensch die Schwere, für alles verantwortlich zu sein. Mein Verstand, der immer alles kontrollieren, analysieren, verstehen will, wird dadurch sehr viel ruhiger und ich entspannter.
    Von Herzen
    Christina

  • #2

    Mona_Leandra (Dienstag, 22 November 2016 21:22)

    Wunderbarer Blogeintrag. Es fühlt sich gut und richtig für mich an. Scheiß ab und an mal auf den Verstand und alles wird einfach....Das kam mir jetzt spontan, sorry für die derbe Ausdrucksweise