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Über die Geduld mit sich selbst


In meiner Arbeit fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen (insbesondere Frauen) ein Problem verbindet: nicht geduldig mit sich selbst sein zu können. Viele von uns (und dabei bin ich keine Ausnahme) leiden am Perfektionismus. An dem Glauben, es würde nur dann Sinn machen, etwas zu tun oder zu beginnen, wenn zumindest die Chance besteht, dass am Ende ein wenigstens annähernd perfektes Ergebnis dabei herauskommt. Unnötig zu sagen, dass allein diese Einstellung viele großartige Projekte verhindert und uns noch dazu unter enormen Druck und Stress setzt. 

 

Wieso sind wir eigentlich häufig so hart zu uns selbst? 

Würden wir von einem Kind erwarten, dass es innerhalb einer Woche lesen lernt, ohne Fehler zu machen? Würden wir es runter machen und ihm sagen, dass es doch nun schon fünf Tage geübt hat und gefälligst besser sein könnte!? Oder würden wir ihm mit Mitgefühl zur Seite stehen, ihm helfen, ihm Tipps geben und es immer wieder liebevoll ermutigen weiter zu machen? Würden wir einer Freundin, die den Mut gefunden hat noch einmal zu studieren und sich nun von den vielen neuen Anforderungen verständlicherweise überfordert fühlt sagen: „Naja, das hast du jetzt davon. Selbst Schuld! Das hättest du dir schon vorher überlegen müssen!“ Oder würden wir sie nicht viel mehr trösten, ihr die Lieblingsschokolade vorbei bringen und sie ermutigen? Ihr sagen, wie viel sie schon erreicht hat und wie oft sie schon bewiesen hat, dass sie etwas kann? 

Wenn Du diesen Blog hier liest, gehe ich davon aus, dass Du jeweils eher zu den zweiten Antworten neigst. 

 

Wieso gelingt es uns mit anderen immer wieder so verständnisvoll, einfühlsam und geduldig zu sein, aber nicht mit uns selbst? (Viele Antworten auf diese Frage finden sich natürlich in den Denk- und Verhaltensmustern, die uns in frühester Kindheit beigebracht wurden- aber dieses Thema braucht einen eigenen Blog. An dieser Stelle konzentrieren wir uns deshalb auf Möglichkeiten zur Veränderung.)

 

Ich möchte Dich bitten, mal zu überlegen, welche Dinge Du bisher in Deinem Leben gelernt hast.

Wenn Du beispielsweise einen Führerschein hast, hast Du irgendwann Autofahren gelernt. War das am Anfang leicht? Ganz sicher nicht. Es war hoch komplex. Es war super, super anstrengend. Wenn Du aber heute durch die Gegend fährst, kannst Du Dir dabei hunderte andere Sachen überlegen. Du kannst reden, Du kannst die Nachrichten im Radio verfolgen, über ein Geburtstagsgeschenk für Deine Mutter nachdenken und, wenn es sein muss, sogar für eine mündliche Prüfung üben. Heute ist Autofahren leicht für Dich. Aber wie lange hat es gedauert, die unzähligen Verkehrsregeln auswendig zu lernen und deren Anwendung zu beherrschen? Wie hat Dein Kopf geraucht bei der Anstrengung Kupplung, Gangschaltung und Blinker gleichzeitig zu bedienen? Und heute machst Du das ganz automatisch.

Vielleicht hast Du auch irgendwann ein neues Programm auf Deinem Computer installieren müssen, und den Umgang damit gelernt. Wie schwierig war das oft am Anfang! Wie oft musstest Du Vorgänge wiederholen, immer wieder googeln und suchen, bis Du endlich die Funktion gefunden hattest, die Du brauchtest, um Deine Präsentationen so zusammenzustellen, wie sie sein sollten? Und heute, wo Du es kannst und Dich durchgewurschtelt hast, fällt es Dir ganz leicht und Du brauchst nur noch einen Bruchteil der Zeit.

 

Du siehst: Vieles von dem, was Dir heute leicht fällt, war früher mal schwer. 

Was ich Dir damit sagen möchte ist: Lass Dich nicht überfordern von der Vielzahl an Dingen, die zu tun sind, sondern fang einfach an zu lernen. Dabei ist es egal, ob Du ein neues Produkt erstellen willst, ob Du ein ungünstiges Beziehungsmuster verändern willst, ob Du lernen willst Patchworkdecken zu nähen oder die Reifen an Deinem Auto selbst zu wechseln. Zu Beginn siehst Du immer diesen ganzen Berg vor Dir. So viele verschiedene kleine Puzzleteile, die getan, gelernt und erledigt werden müssen. 

Wenn Du etwas wirklich willst, liegt der Trick darin einfach anzufangen. Suche Dir einen Baustein heraus. Schau Dir nicht alle Bausteine auf einmal an. Suche Dir ein Element heraus und meistere dieses. Lerne, was es zu diesem Element zu lernen gibt. Und wenn Du den einen Baustein gelernt hast, lernst Du den nächsten. Du wirst feststellen, wenn Du erstmal beginnst zu lernen, wirst Du gleichzeitig auch viele neue Kompetenzen entwickeln, die Dir wieder für die nächsten Bausteine helfen. Und auch diese werden dann nicht mehr ganz so schwierig sein.

 

Sei geduldig mit Dir. Schenke Dir selbst das Verständnis, die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl, das Du auch einem kleinen Kind oder einer guten Freundin schenken würdest. Lass den Dingen die Zeit, die sie brauchen. Du verdienst es!

 

Lass uns in den Kommentaren zu diesem Blog an Deinen Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben!

 

Und falls Du Lust hast, mit mir persönlich daran zu arbeiten, nicht mehr so hart mit Dir selbst zu sein und mehr Geduld mit Dir zu haben, frage gern nach einem Coaching mit mir! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Franzi (Freitag, 01 April 2016 10:49)

    Hey meine liebe,

    Super inspirierender Text. Unterschreibe dies genau so, wie es oben steht. Sich nicht immer an dem negativen aufhalten, sondern mit kleinen Schritten seine Ziele nach und nach erreichen. Wir Frauen erwarten gerne dass wenn wir am Gras ziehen es schneller wächst! Und dann womöglich noch gleichmäßig und äußerst akkurat.

    Es ist schonmal enorm Arbeit sich selbst zu finden und zu wissen was man ändern möchte.
    Aber ich glaube auch, das dass Umfeld enorm dazu beiträgt. Oftmals sehen es Familie oder auch Freunde anders als du selbst. Natürlich weil sie es gut mit dir meinen. Und das ohne zweifel.
    Sich davon dann "abzukapseln", sehe ich als eine größere Hürde.
    Was ist wichtiger? Es sich selbst recht zu machen oder den Menschen die man liebt! Eine Frage auf die ich für mich persönlich noch keine Antwort habe.
    Ich weiß für mich , dass ich meine liebsten glücklich machen möchte, aber darf mich nicht vergessen.. Dieser Spagat ist enorm sensibel und schwierig.

    Aber wie du auch schon geschrieben hast, Verhaltensmuster und beziehungsmuster die wir angelernt bekommen haben.

    Einen schönen Tag wünsche ich dir noch